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Reisetipps

Calima – wenn die Sahara zu Besuch kommt

Was der Saharastaub mit Wetter, Gesundheit und Reiseplänen auf Gran Canaria macht

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Calima
Foto: Symbolfoto (KI-generiert)

Was ist der Calima?

Der Calima (gesprochen etwa „Kalima“) ist eine Wetterlage, bei der Sand und feiner Staub aus der Sahara auf die Kanaren geweht werden. Die Wüste liegt nur rund 300 Kilometer östlich der Inseln. Ein Hochdruckgebiet lässt die Temperaturen über der Sahara ansteigen, und starke Ost- bis Südostwinde tragen den Staub über das Meer. Dabei werden die schweren Sandkörner zurückgelassen, nur der feine, leichte Mineralstaub wird bis zu den Inseln mitgenommen. Gelegentlich wird auch der spanische Begriff bruma seca („trockener Dunst“) verwendet.

Die östlichen Inseln, also Lanzarote, Fuerteventura und Gran Canaria, sind wegen ihrer Nähe zu Afrika am stärksten betroffen.

Welche Auswirkungen hat der Calima?

Auf das Wetter

  • Die Luft wird trocken und diesig, die Luftfeuchtigkeit sinkt und die Sichtweite nimmt ab.
  • Die Temperaturen steigen, im Sommer sind auch mehr als 40 Grad möglich. In den letzten Jahren gab es Nächte in denen die Temperaturen die ganze Nacht über bei 30 Grad waren.
  • Der Himmel färbt sich gelblich bis orange, Sonnenauf- und -untergänge wirken ungewöhnlich.
  • Alles legt sich unter einen feinen Staubfilm: Autos, Terrassenmöbel, Fensterbänke.
  • Bei starkem Staub kann es vereinzelt zu „Blutregen“ kommen. Regen wäscht den Staub aus der Luft und hinterlässt rötliche Spuren.

Auf die Gesundheit

  • Häufige Symptome sind gerötete Augen, Halsschmerzen, Husten, verstopfte Nase, Atembeschwerden, Kopfschmerzen und Müdigkeit.
  • Besonders gefährdet sind ältere Menschen, Kinder, Allergiker, Asthmatiker, Menschen mit Lungen- und Herzerkrankungen, Schwangere, Raucher und Menschen, die im Freien arbeiten.
  • Der Staub kann Asthmaanfälle auslösen und bestehende Beschwerden verschlimmern.
  • Gemessene Feinstaubwerte (PM10) liegen bei einem Staubsturm üblicherweise bei 200 bis 400 Mikrogramm pro Kubikmeter. In Extremfällen wurden auf Gran Canaria schon deutlich höhere Werte registriert.

Wie lange dauert ein Calima?

Meist drei bis fünf Tage. Die Spanne ist aber groß: Ein Calima kann wenige Stunden, einige Tage oder auch eine Woche und länger dauern. Mit der Zeit wird die Luft wieder klarer und die Sicht besser. Gerade im Sommer können sich die Episoden aneinanderreihen.

Oktober 2026: Ein Calima jagt den nächsten

Im Oktober 2026 folgte ein Calima auf den nächsten, allein in der ersten Oktoberhälfte gab es drei davon. Die Regierung der Kanaren rief in diesem Zeitraum eine Voralarmstufe aus. Die Luftqualität verschlechterte sich laut Notfallbehörde in zahlreichen Messstationen auf Gran Canaria und Teneriffa spürbar. Wer im Oktober zum Wandern, Baden oder Städtetrip hier war, hat die diesige Luft vermutlich mehrfach erlebt.

Auch die Jahreszeit ist nicht mehr so zuverlässig wie früher: Calima galt lange als typisches Sommerphänomen, tritt aber inzwischen auch im Herbst, Winter und Frühjahr auf.

Weitere Folgen und Warnungen

  • Warnstufen: Die Wetterbehörde AEMET gibt Calima-Warnungen heraus, oft zunächst in Gelb. Die Behörden der Kanaren rufen bei starker Belastung eine Voralarmstufe aus. Informiere dich vorab auf den Seiten von AEMET und der Kanarenregierung.
  • Flugverkehr: Bei sehr schlechter Sicht kann der Flug- und Fährverkehr zeitweise eingeschränkt werden, meist nur für wenige Stunden. Im Februar 2020 ruhte der Flugbetrieb auf den Kanaren bei einem besonders heftigen Calima zwei Tage lang. Prüfe vor der Anreise den Flugstatus.
  • Waldbrandgefahr: Hitze und Trockenheit erhöhen das Risiko, gerade in den Bergen. Bei einer Waldbrand-Voralarmstufe gelten für Urlauber Einschränkungen, etwa beim Feuermachen und beim Aufenthalt in Waldgebieten.
  • Sicht und Aktivitäten: Wanderungen, Aussichtspunkte und Fotospots verlieren bei Calima viel von ihrem Reiz, da die Fernsicht fehlt.

Was tun bei Calima?

  • Drinnen bleiben: Halte Türen und Fenster geschlossen, besonders wenn du zu einer Risikogruppe gehörst.
  • Wenig Sport im Freien: Verlege Joggen, Radfahren und Wandern auf klarere Tage.
  • Viel trinken: Die Luft ist trocken, der Flüssigkeitsbedarf steigt.
  • Staub entfernen, aber kratzerfrei: Wische Staub nie trocken oder nur mit einem leicht feuchten Tuch ab, denn die feinen Sandpartikel können wie Schleifpapier wirken. Spüle empfindliche Oberflächen wie Autolack, Scheiben und Kunststoff zuerst mit reichlich Wasser ab, um den groben Staub zu lösen. Erst danach wischst du mit einem weichen, sauber ausgespülten Mikrofasertuch nach, das du häufig auswäschst.
  • Augen und Atemwege schützen: Eine Sonnenbrille hilft, bei Beschwerden auch eine Maske nach ärztlichem Rat.
  • Medikamente bereithalten: Asthmatiker und Menschen mit Lungenproblemen sollten ihre Medikamente griffbereit haben.
  • Reisen planen: Verfolge den Wetterbericht, und plane Indoor-Alternativen ein, zum Beispiel das Aquarium Poema del Mar oder Museen in Las Palmas.
  • Küste und Norden: Aus Erfahrung wird es an der Küste oft erträglicher, und mancher Urlauber flüchtet bei Calima an die Playa de Las Canteras in Las Palmas.

Bei starken Beschwerden, Atemnot oder Brustschmerzen suche ärztliche Hilfe, im Notfall wähle die 112. Mehr dazu im Ratgeber „Krank auf der Insel – was jetzt?“.

Unser Tipp

Calima ist unangenehm, aber kein Grund, den Urlaub abzusagen. Er geht vorbei, und oft bleibt das Wetter trotzdem gut für Strandtage und Ausflüge in tiefere Lagen. Wer empfindlich ist, packt Medikamente ein, schließt eine Reiseversicherung ab und plant ein paar Indoor-Optionen. Die genaue Dauer lässt sich schwer vorhersagen, bleibe also flexibel.